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Vlnr: Matthias Riedl (Linke), Gisela Stang (SPD), Wiebke Knell (FDP), Bernd Hesse (LAKS), Karin Wolff (CDU) und Martina Feldmayer (Grüne)
Rückblick: Podiumsdiskussion „Kultur in der Land schafft“ am 16.10. in Lich

Rückblick: Podiumsdiskussion „Kultur in der Land schafft“ am 16.10. in Lich

Unter dem Titel „Kultur in der Land schafft“ hatte die LAKS (Landesvertretung der soziokulturellen Zentren in Hessen) am 16.10. zu einer Podiumsdiskussion über die Perspektiven von Kunst und Kultur abseits der Ballungsräume eingeladen. Partner waren das Film- und Kinobüro Hessen sowie das Kino Traumstern und der Verein „künstLich“, beide in Lich beheimatet. Hier befindet sich auch die Bezalel-Synagoge, die als Veranstaltungsort diente.
Moderator Bernd Hesse (LAKS) führte mit einem Impulsreferat in die Thematik „Ländlicher Raum“ oder besser „Ländliche Räume“, wie er betonte, ein. Im weiteren Verlauf machten die kulturpolitischen Vertreter der fünf im Landtag vertretenen Parteien ihre jeweiligen Positionen deutlich. „Kulturelle Angebote benötigen Stabilität vor Ort“ meinte Karin Wolff (CDU), wobei sie kulturelle Bildung als zentrale Aufgabe sieht. Sie verwies auf den vor kurzem vom (CDU geführten) Ministerium für Wissenschaft und Kunst herausgegebenen Kulturatlas als wichtige Bestandsaufnahme staatlicher Kulturpolitik.

Auch Martina Feldmayer von den mitregierenden Grünen setzt auf den Kulturatlas, aus dem ein Masterplan und zukunftsweisende Modellprojekte entstehen sollen. Für sie ist Kultur nicht das Sahnehäubchen, sondern grundlegender Bestandteil einer Politik für die Regionen, die dazu dienen muss, dass diese nicht vom gesellschaftlichen Leben abgehängt und damit anfällig für populistische Strömungen werden dürfen. Sie verwies außerdem darauf, dass Lösungen gefunden werden müssen für das Problem der vielfach bestehenden Unterbezahlung von Kulturschaffenden.
Für Wiebke Knell (FDP) müssen auf dem Lande zuerst Breitbandausbau, öffentlicher Nahverkehr und Kitaplätze gewährleistet werden, Kultur habe dann aber ebenfalls eine wichtige Funktion.
Laut Gisela Stang (SPD), Bürgermeisterin aus Hofheim, sind die Kommunen oft besser in der Lage, kulturelle Prozesse in Gang zu bringen. Land und Kommunen müssten sich hier deutlich besser abstimmen. Auf die Verantwortung der Kommunen setzt auch Matthias Riedl (Die Linke), und verwies beispielhaft auf den mit 2% viel zu niedrigen Kulturetat in Gießen. Er forderte mehr Raum für neue, innovative Kulturangebote.

Der Wunsch nach weniger Bürokratie bei Fördervorhaben und einer besser abgestimmten Politik zwischen Land und den Städten kam immer wieder, auch seitens des Publikums, zum Ausdruck. Die sich in Lich gebildeten Netzwerkprojekte benötigen eine verlässliche Absicherung, wie Bernd Klein, der hiesige Bürgermeister betonte. Auch Erwin Heberling vom Film- und Kinobüro Hessen fordert mehr von Land und Kommunen gemeinsam getragene strukturelle Fördermaßnahmen, um Netzwerke wie in Lich langfristig abzusichern.