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Landkreis Gießen fördert ‚Kinokultur auf dem Lande‘

Landrätin übergibt insgesamt 15.000 Euro zur Stärkung der künstlerischen Vielfalt

Landkreis Gießen. Einen symbolischen Scheck über 5000 Euro für das Kino Grünberg und einen über 10.000 Euro für das Kino Traumstern in Lich übergab Landrätin Anita Schneider kürzlich an die Lichtspielhaus-Betreiberin in Grünberg Edith Weber sowie an Hans Gsänger und Edgar Langer vom Kino Traumstern. Mit dem Förderpreis ‚Kinokultur auf dem Lande‘ unterstützt der Landkreis Gießen seit 1987 die beiden Kinos.

Die Förderung zielt auf die Aufwertung der Kulturangebote auf dem Land ab. „Kleine Kinos haben sehr viel schlechtere Chancen, den Betrieb für die Menschen vor Ort aufrecht zu erhalten als die Kinozentren in den Städten“, unterstrich Landrätin Anita Schneider bei der Preisübergabe. Zudem spiele im Fall vom Kino Traumstern zusätzlich die Verbreitung künstlerisch oder bildungspolitisch wertvoller Filme eine bedeutsame Rolle.

Kreistag fördert Kulturangebote trotz angespannter Haushaltslage

Landrätin Anita Schneider ist dem Kreistag sehr dankbar, dass er diese freiwilligen Ausgaben zur Stärkung der kulturellen Vielfalt trotz der derzeitigen angespannten Haushaltslage des Landkreises nicht gekürzt hat. Denn solche Ausgaben zur Festigung des Kulturangebotes sind von hohem Wert für das Leben auf dem Lande, ist sich die Landrätin sicher. Sie sagte: „Die Förderung steigert die Lebensqualität, soziale Teilhabe und Attraktivität und tragen zu unserem Ziel der Verringerung des Stadt-Land-Gefälles bei. Dies umso mehr, da beide Kinos mit ihrer Filmauswahl niveauvolle Unterhaltung mit gesellschaftspolitischer Bildungsarbeit zu vereinigen wissen.“

Gerade im Traumstern regten die zahlreichen Diskussionsrunden, verbunden mit den Filmvorführungen, zu kritischen Auseinandersetzungen über aktuelle, gesellschaftliche Themen an, lobte Anita Schneider. Mitunter werden die Gespräche zusätzlich von politischen Gruppen oder Vereinen ergänzt, wodurch die Verzahnung von Kunst und Gesellschaft zusätzlich ausgebaut werde, so die Kinobetreiber des Kino Traumsterns.

Auch in Grünberg gibt es immer wieder thematische Events, bei denen Menschen zusammenkommen und Kino mehr ist als bloße Filmvorführung. So sei hier besonders die Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat hervorzuheben.

Vorgaben für Filmförderung könnten sich verschlechtern

Im Gespräch zwischen der Politikerin und den Kino-Betreibern wurde allerdings auch deutlich, dass angekündigte Veränderungen der Filmförderung sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene die finanzielle Situation vor allem in Lich verschärfen würde. Denn nach Vorstellungen der Politik würde die Filmvermittlung samt kritischer Auseinandersetzung der im Film angesprochenen Themen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen, erklärte Edgar Langer sorgenvoll. Allein Besucherzahlen würden dann sehr viel relevanter werden, die natürlich in kleineren Kinos weitaus geringer sind als in großen Filmhäusern. Landrätin Schneider schlägt vor, zu diesem Thema die heimischen Bundestagsabgeordneten einzuladen.

Edith Weber sieht die Vorgaben für zusätzliche Fördergelder ebenfalls kritisch. Denn die Zahlen der Kinobesucher gingen weiterhin zurück. Vor allem vor Weihnachten – eine Zeit, in der früher viele Familien ins Kino gegangen sind – sei es in 2025 sehr schleppend gelaufen. Vorgaben der Filmverleiher machten es zusätzlich schwierig, so dass sie einige interessante Filme in Grünberg gar nicht zeigen kann. Nach wie vor setzt sie bei der Auswahl vor allem auf Kinder- und Familienfilme.

Kino Grünberg feiert im nächsten Jahr Jubiläum

Und dies wird noch bis zum Jubiläum 2027 so sein. Denn wenn das „Apollo“ im Februar nächstes Jahr 75 Jahre alt wird, wird Edith Weber in Rente gehen, stellte sie in Aussicht. Wie es dann mit dem Grünberger Kino weiterginge, stehe noch nicht fest, versicherte ihr Sohn, Claus Weber. Mit einer „Beerdigung des Kinos“ allerdings wolle er sich nicht anfreunden.

Bildunterschrift: Landrätin Anita Schneider (3.v.r) übergab symbolische Schecks an Edith Weber, Betreiberin des Kinos in Grünberg (Mitte), und Edgar Langer, Betreiber des ‚Traumstern‘ in Lich (3.v.l.). Mit dabei auch Hans Gsänger (r.) und Ida Schomber (2.v.r) vom ‚Traumstern‘ sowie Claus Weber (2.v.l.) für das Kino Grünberg. Anja Horstmann (l.) koordiniert die Kulturförderung im Landkreis Gießen. Foto: Landkreis Gießen

Quelle: Landkreis Gießen